Kommentar: Multimedia mit Schatten

Inzwischen hat es sich herumgesprochen: Wer künftig das Handy ans Ohr hält, während er ein Fahrzeug lenkt, und sich dabei erwischen lässt, wird nicht mehr wie bisher um 40, sondern um 70 Euro Bußgeld erleichtert. Das soll offenbar die Quittung dafür sein, dass die bisher angedrohten 40 Euro Buße kaum vom Handy-Gebrauch am Lenkrad abgehalten haben.

Kommentar von Wolfram-Riedel zum Thema Auto und Verkehr

Wolfram Riedel. Foto: Auto-Reporter.NET

Das nun angehobene Strafmaß für Ablenkung beim Führen eines Fahrzeugs lässt darüber nachdenken, ob einen Fahrer nicht auch andere Gewohnheiten in ganz ähnlicher Weise wie ein Handy am Ohr unaufmerksam werden lassen. Dass das der Fall ist, bestätigen gezielte Untersuchungen, darunter auch eine Studie des Auto Clubs Europa (ACE). Mit einer Freisprechanlage zum Telefonieren sei der Fall ja auch noch gar nicht erledigt. Beispielsweise nehme das Wählen einer Telefonnummer aus dem Telefonbuch der Freisprech-Mobilfunkanlage rund 48 Sekunden in Anspruch: „Der Blick des Fahrers wechselt dabei 25 Mal zwischen Fahrbahn und Display. Bei Tempo 130 legt das Auto währenddessen rund 1,7 Kilometer zurück, auf denen die Aufmerksamkeit des Fahrers ständig beeinträchtigt ist.“

Einst beschränkten sich Ratschläge für Autolenker darauf, doch besser aufs gleichzeitige Schminken, Rasieren, Essen oder Rauchen zu verzichten. Aus der zunehmenden Komplexität heutiger Infotainmentsysteme im Auto ergeben sich inzwischen ganz andere, neue Ablenkungsmanöver, denen der Fahrer ganz zwangsläufig verfällt. Schließlich möchte er solchen Komfort an Bord, den er ja mitbezahlt hat, auch nutzen.

Frau telefoniert beim Autofahren

Verpönt und verboten: das Handy am Ohr. Aber auch andere Tätigkeiten binden die Aufmerksamkeit des Fahrers über Gebühr. Foto: dpp/Auto-Reporter.NET

Allein bloßen Blicken zu Bedienungseinrichtungen widmet ein Autofahrer unterwegs rund 50 Prozent der Zeit, ergab eine Testreihe. Mehr Aufmerksamkeit des Fahrers bindet der unmittelbare Umgang mit Infotainmentsystemen. Infrage gestellt werden soll der Nutzen solcher Systeme überhaupt nicht. Was mittlerweile alles möglich ist, fasziniert. Das klangvolle Gebilde Multimedia wirft aber eben auch Schatten. Gehört der Beschäftigung mit Infotainmentsystemen mehr Aufmerksamkeit als fahrerischen Pflichten, geht das zulasten der Verkehrssicherheit.

Navigationssystem - Auto-Mittelkonsole

Nicht nur das Handy am Ohr lenkt den Autofahrer ab. Auch das Beobachten und Bedienen von Navis oder Infotainmantsystemen kostet Aufmerksamkeit. Foto: dpp/Auto-Reporter.NET

Nicht überzeugen kann der Vorschlag, dass während der Fahrt die Bedienung solcher Systeme, die etwas mehr Aufmerksamkeit beansprucht, automatisch gesperrt werden sollte. Damit müsste auch auf die hilfreiche Assistenz eines Beifahrers verzichtet werden, unter Umständen über viele Stunden, vom Start bis zum Ziel.

Auf Systeme auch über Sprachsteuerung zugreifen zu können, erweist sich als überzeugender Trend. Er wird sich fortsetzen. Im Übrigen hat erworbenes Recht, ein Fahrzeug zu führen, eben auch verantwortungsbewussten, disziplinierten Umgang mit zeitgemäßen Infotainmentsystemen einzuschließen. (Auto-Reporter.NET/Wolfram Riedel)

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