Wenn die Assistenten nicht mehr mitspielen: Allein unter Häusern

Es begann wie immer und endete in einer Odysee. Wie früher immer üblich, wenn wir ein neues Auto kennenlernen, drückten uns die Veranstalter ein Roadbook in die Hand, das uns durch die Teststrecke fahren sollte. Heute ist die Strecke meist in die Navigation einprogrammiert. Das lässt einem die Freiheit, von der geplanten Strecke abzuweichen und dennoch am Ziel anzukommen. Dieses Mal gab es nur ein Roadbook und die Gewissheit, dass die Navigation an Bord im Zweifelsfall zurückbringt. Dieses Mal war die Sicherheit trügerisch.

Breite Reifen und Doppelauspuff

Irrfahrt in Kalifornien: Breite Reifen und Doppelauspuff sind auch nicht alles.

Anhand einer handgezeichneten Skizze fanden wir zur vorgesehenen Strecke, eine sehr gut ausgebaute Bergetappe mit wundervollen Kurven oberhalb der kalifornischen Stadt Pasadena. Von hier aus sollte das professionell gestaltete Roadbook den Weg weisen. Ich wich von der Strecke ab – der Fotos wegen. Und entschied dann, die Strecke abzubrechen und zum Hotel zurückzufahren. Ich konnte ja nicht ahnen, was mich dann erwartete.

Ich gab die Hoteladresse ein, die sich in der Rubrik „letzte Ziele“ fand und folgte minutenlang den Anweisungen der Dame aus dem Lautsprecher und im Head-up-Display, bis ich einen Blick auf die Navigationskarte in der Mittelkonsole schaute. Die behauptete, ich sei „off road“. Der Pfeil, der mein Auto symbolisierte, glitt über freie Landschaft, kreuzte Straßen, die ich vor der Winschutzscheibe nicht sah, diagonal. Die Straßennamen, die ich auf dem Display sah, hatten nichts mit denen der Straßen zutun, auf denen ich gerade fuhr. Die Gegend wurde immer ländlicher. Die Wegweiser wiesen auf Städtchen hin, deren Namen wohl nur gut informierte Kalifornier kennen. Ich aber nicht.

Die Computer daheim haben einen gelehrt, was dann zu tun ist: Reset. Also: Zündung aus und warten. Das wiederholte ich in den nächsten Stunde mindestens ein Dutzend Mal. Dann saß der Pfeil immer wirklich auf einer Straße. Jedesmal kam Hoffnung auf, und jedesmal passte der Straßenname nicht zur Realität und der Pfeil kreuzte wild genau den Highway, den ich erreichen wollte. Doch der war nicht einmal in der Nähe.

Ich meldete mich beim Veranstalter: Sie sollten sich keine Sorgen machen, ich habe mich nur verirrt und die Navi spinnt.

Zeitgleich kam dem Veranstalter und mir die rettende Idee: Der Hersteller bietet doch einen Concierge-Service an. Der sollte mich retten können. In der Tat spielte mir die Dame einen Navigationsvorschlag ins Auto. Hoffnung keimte auf. Jetzt wird alles gut, dachte ich, bis das Chaos von neuem begann.

Monitor, Navi

Irrfahrt in Kalifornien: Noch sitzt der Pfeil auf einer Straße.

Also erneuter Anruf beim Concierge-Service. Der verband mich dann mit der Technik, und die fand heraus, das System sei nicht in der Lage meinen Standort festzustellen. Ich nannte der Dame die Straße, auf der ich mich befand, ebenso eine Querstraße. Doch es gibt viele Städte im Großraum Los Angeles und viele verwenden die gleichen Straßennamen. Das war also der nächste Schuss in den Ofen. Immerhin schien es mir richtig, mich nach Norden zu orientieren.

Eine Landkarte war nicht an Bord. Sie hätte mir ja auch nur dann helfen können, wenn ich gewusst hätte, wo ich gerade langfuhr.

Seit Karl May weiß ich, dass jeder in der Wüste im Kreise läuft, wenn er keinen Orientierungspunkt ansteuert. Die vielen mehr oder weniger netten vieltausendfachen Einfamilienhäuser haben denselben Effekt. Und ich hatte kein Wasser an Bord. Eingeborene sind in der Häuserwüste ebenso selten wie in der Sahara. Ich fand einen, und der wies mir die grobe Richtung zur Interstate nach Pasadena. Den Weg fand ich mit ständigem Blick auf den Kompass der Navigation. Meine Hoffnung trog nicht, der zeigte tatsächlich nach Norden.

So wird eine Interstate zum Ausdruck der Hoffnung. Ich fand die richtige Ausfahrt und nach drei Kreisen durch die überschaubar große Innenstadt rollte ich vor das Hotel. Ich hoffe, die Veranstalter waren ebenso glücklich, mich zu sehen, wie ich mich freute, sie zu sehen.

Darauf trinke ist erst mal einen – einen halben Liter Wasser.

Was lerne ich daraus? In Zukunft habe ich Wasser an Bord, aktiviere bei meinem Smartphone die Navigations-Funktion und habe die richtige Region geladen. Von Peter Schwerdtmann (ampnet/Sm)

Weitere Artikel zum Thema:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.