Range Rover Vogue im Fahrbericht

Range Rover Vogue, AchsverschränkungMit dem aktuellen Range Rover will Jaguar Land Rover die Maßstäbe in der SUV-Luxusklasse neu definieren. Markantester wegweisender Fortschritt dürfte die Vollaluminium-Monocoque-Karosserie sein, die sich zusammen mit der Fahrwerksarchitektur in Leichtbauweise bei den einzelnen Modellvarianten in Gewichtseinsparungen bis zu 420 kg (!) niederschlägt. Der genieteten und geklebten Fahrzeugstruktur wird enorme Festigkeit attestiert. Das aber nimmt der Interessent an einem solchen Auto vermutlich nur beiläufig zur Kenntnis, gibt es doch jede Menge Beeindruckendes, das automobile Verwöhnung und beruhigende Sicherheit beschert.

Ausstattung

Range Rover VogueRange Rover Vogue, FrontansichtRange Rover Vogue, GepäckraumIRange Rover Vogue, Anhängerkupplungns Auge fällt zuerst das edle Innenleben, geprägt von Großzügigkeit und Komfort. Angefangen beim körpergerechten Gestühl, bezogen mit feinem Leder, das mit dekorativen Zwillingsnähten auch die Verkleidung solcher Flächen übernimmt, mit denen die Insassen in Berührung kommen. Im Auto stellt sich spontan auch das Gefühl ein, in einer sicheren automobilen Burg Platz zu nehmen. Im Gelände macht das Fahrwerkskonzept maximale Achsverschränkung möglich, der Karosserieneigung in Kurven wirkt das System Dynamic Response entgegen. Die Bewegungen der Karosserie überwacht die Fahrwerkssteuerung Adaptive Dynamics mit stufenlos einstellbaren Dämpfern. Ihre Aufgabe ist es, auf Lenkbefehle und Fahrbahnbedingungen augenblicklich zu reagieren.

Range Rover Vogue, elektrisch Fondsitze umklappen       Range Rover Vogue, Klimaregulierung im Fond Range Rover Vogue, Ladeboden  Range Rover Vogue, Panorama Schiebedach  Tagfahrlicht Range Rover VogueDer permanente Allradantrieb profitiert maßgeblich vom System Terrain Response. Es nutzt die Analyse der aktuellen Fahrbedingungen und wählt dann automatisch das optimale Terrain-Programm, das Einfluss auf Motor, Getriebe, Mitteldifferenzial, Assistenz- und Fahrwerksysteme nimmt. Die möglichen Einstellungen können auch per Drehknopf vom Fahrer vorgenommen werden, nämlich per Modus „Normal“, „Gras/Schotter/Schnee“, „Schlamm“, „Sand“, „Felsen“. Es gibt eine Bergan- und Bergab-Fahrhilfe und eine Geländeuntersetzung für schwierigste Aufgaben.

Die adaptive Geschwindigkeitsregelung (ACC) hält sicheren Abstand zum vorausfahrenden Fahrzeug und bremst bei stockendem oder stehendem Verkehr auch selbstständig bis zum Stillstand ab.

Range Rover Vogue, CockpitRange Rover Vogue, FarbdisplayRange Rover Vogue, FondsitzeRange Rover Vogue, ArmstützeRange Rover Vogue, DrehknopfIm Cockpit, dem Zentrum des anspruchsvollen Ambientes, fällt auf, dass es beim neuen Range Rover deutlich weniger Schalter gibt. Zahlreiche Funktionen werden über einen 8-Zoll-Touchscreen in der Mittelkonsole aufgerufen, beispielsweise auch die Sitzheizung samt Lendenwirbelstütze mit Massagefunktion. Klima (Luftduschen) und Sitzheizung im Fond lassen sich vor Ort regeln. Von wechselnden Fahrern gewählte Sitz- und Lenkradeinstellungen sind per Memory-Funktion zu bewahren. Das beheizbare Lenkrad ist elektrisch einstellbar.

Die Leseleuchten gehen bei Berührung an oder aus. Im Testwagen verwöhnten das Panorama-Schiebedach und eine sehr anspruchsvolle Audioanlage: 825 Watt, 19 (!) Lautsprecher inklusive Subwoofer. Zur Wahl steht das Spitzenmodell des englischen Audio-Spezilisten Meridian mit 1.700 Watt und 29 Lautsprechern.

Platz- und Sichtverhältnisse

Range Rover Vogue, elektrische Vedienung der HeckklappeRange Rover Vogue, KameraRange Rover Vogue, SeitenansichtRange Rover Vogue, LadeflächeDer klassischen, eher kantigen Form eines SUV folgend, war der Range Rover seit seiner Geburt vor mehr als vierzig Jahren nie auf konkurrenzlosen cw-Wert aus. Das klassisch-zeitlose Exterieurdesign bewahrt auch die Aluminiumkarosserie des Modelljahrgangs 2014. Windschnittig geglättet worden sind aber Details des Profils. Höhe und Breite des stattlichen, fünf Meter langen Aufbaus flößen Respekt ein. Die üppigen Dimensionen begründen großzügige Platzverhältnisse im Inneren und hochsitzartige Übersicht übers Geschehen im Umfeld. Die Orientierung heckwärts unterstützt eine Rückfahrkamera, beim Heranfahren an Kreuzungen oder Herausfahren aus Einfahrten mit eingeschränkter Sicht erweisen sich die Bilder der seitlich platzierten Kameras als nützlich. Beim Rückwärts-Ausparken warnen Leuchten in den Außenspiegeln, falls sich Fahrzeuge von links oder recht nähern.

Die Türschwelle liegt selbst bei abgesenktem Aufbau 55 Zentimeter „über Grund“. Angesagt ist eher Entern. Man steigt merklich nach oben. Aufstieg statt Einstieg. Das Karosserieniveau lässt sich dank der verstellbaren Luftfederung auf Tastendruck um fünf Zentimeter variieren. Passagiere auf allen vier Plätzen haben das große Los gezogen, denn auf sie wartet Bewegungsfreiheit satt. Der Mittelplatz im Fond ist – wie heutzutage häufig – allerdings kein vollwertiger. Die „angegossene“ Kopfstütze lässt sich in der Höhe nicht verstellen, und im wenig gepolsterten Lehnenteil verbirgt sich die ausklappbare Armstütze samt Dosenhalter und kleiner Ablage.

Motor, Kraftstoffverbrauch, Fahrverhalten

Mit dem in der neuen Modellgeneration auf 249 kW/339 PS gesteigerten Leistung ist der 4,4 Liter-Achtzylinder-Diesel die goldene Mitte des Motorisierungsangebots. Zur Wahl stehen außerdem ein 3,0-Liter-V6 Diesel (190 kW/258 PS) und als Top-Treibsatz der 5.0-Liter-Superrcharged-V8-Benziner (375 kW/510 PS). Den Testwagen trieb sein 4.4 SD V8 vehement nach vorn. Seine PS-Potenz und 700 Nm maximales Drehmoment bringen es fertig, den mit zwei Personen besetzten, dann gut 2,5 Tonnen wiegenden Koloss in nur 6,9 Sekunden auf Tempo 100 zu katapultieren, begleitet von einem Sound, der unbändige Kraft verheißt. Dieseltypische Begleitmusik, ohnehin kaum wahrzunehmen, wird mit ansteigender Drehzahl gänzlich überspielt. Von der Kabine werden Motorgeräusche erfolgreich ferngehalten. Neuartige, doppelt isolierte Motorlager und eine Akustikbeschichtung der Scheiben haben Anteil daran. Schade, dass sich beide vorderen Türen des Testwagens – die rechte mehr als die linke – bei hohen Geschwindigkeiten mit dem Fahrtwind anlegten und dabei heftiges Rauschen aufkommen ließen.

Acht Zylindern, auch denen eines Selbstzünders, ist zuzubilligen, dass sie keine ausgesprochen genügsamen Kostgänger sind. Aufräumen kann aber der neue Range Rover 4.4 SD mit dem Vorurteil, ein V8 müsse zwangläufig unbändigen Durst entwickeln. Wiederholt pendelte sich der mehrtägige Gesamtverbrauch des Testwagens nahe 8 l/100 km ein. Überraschen musste nicht, dass vorwiegend innerstädtischer Einsatz trotz Start & Stop zweistelligen Dieselverbrauch mit der Tendenz zu 13 l/100 km bescherte. Das entspricht in etwa auch der Quittung für anhaltendes Autobahntempo oberhalb von 150 km/h. Als Langstrecken-Durchschnittsverbrauch auch mit Passagen ohne Tempolimit (Autobahn) hielt der Bordcomputer des Testwagens 9,1 l/100 km fest.

Den Umgang mit dem potenten V8 muss man nicht der Achtstufen-Automatik (ZF) überlassen, auch wenn sie die Aufgabe überzeugend bewerkstelligt. Wippen am Lenkrad ermöglichen manuellen Gangwechsel. Aber selbst ein sportlich ambitionierter Fahrer wird davon wohl seltener Gebrauch machen, schließlich gibt es auch bei der Automatik eine wählbare S(print)-Stufe. Der hochbauende gewichtige Luxusliner lässt sich nicht zuletzt dank der Luftfederung auch bei rascher Kurvenfolge zügig und sicher auf Kurs halten. Sein Unterbau steckt alle Arten von Unarten, die unter die Räder kommen, so weg, als sei er geradezu darauf erpicht. Federwege von 260 Millimetern vorn und 310 Millimetern hinten sprechen für sich.

Fazit

Spontan baut die erlebbare Souveränität dieses SUV-Luxusliners, an der viele markante Ausstattungsdetails beteiligt sind, demonstrative Gelassenheit bei jedem auf, der sich diesem imponierenden Auto anvertraut. Unterwegs begleitet stets das Gefühl, auch dem widerwärtigsten Terrain gewachsen zu sein. Selbst Wassertiefen bis zu 90 Zentimetern können dieses Auto nicht schrecken. Es bleibt eine Range-Rover-Domäne, sich unerschrocken und höchst komfortabel auch dort noch einen Weg bahnen zu können, wo absolut nichts mehr an eine Straße erinnert. (news2do.com/Wolfram Riedel)

Visitenkarte
Range Rover 4.4 SD V8, luxuriös-potentes SUV mit Vollaluminium-Karosseriestruktur

Abmessungen/Gewicht
Länge/Breite/Höhe (Meter): 4,99/1,98 (o. Sp.)/1,84
Leergewicht/zul. Gesamtgewicht (kg): 2.360/3.200
Gepäckraumvolumen: 909 bis 2.030 Liter
Tankinhalt: 105 Liter
Preis: ab 107.100 Euro (Vogue)

Motorisierung/Getriebe
Motor: V8 Common-Rail-Turbodiesel
Hubraum: 4.367 ccm
Max. Leistung: 250 kW/339 PS bei 3.500 U/min
Max. Drehmoment: 700 Nm bei 1.750 bis 3.000 U/min
Kraftstoffverbrauch nach NEFZ (kombiniert): 8,7/100 km
CO2-Emission: 229 g/km
Beschleunigung von null auf 100 km/h: 6,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 217 km/h
ZF-Achtstufen-Automatik, Allradantrieb

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