Pressepräsentation BMW 7er (G11): Wahrlich (k)ein Leichtgewicht

Der neue Siebener sei für BMW „ein wichtiger Schritt in Richtung automatisiertes Fahren“, betonte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich gleich mehrfach, als er jetzt in Portugal das neue Flaggschiff des Konzerns vorstellte. Da BMW nicht zu den Unternehmen der Automobilindustrie zählt, die dem Zug der Zeit hinterherschauen, hatte niemand etwas anderes erwartet. Aber gleich solch eine Betonung?

BMW 730d Baureihe G11 Fahraufnahme

BMW 730d.

Die ersten Kilometer auf der Autobahn von Porto entlang des Duoro hatten es eigentlich schon bewiesen. Es bringt auch auf den traumhaft leeren Autobahnen Vorteile, die Systeme des 7er-BMW fürs teilautonome Fahrens zu nutzen. Der Lenkeingriff des Spurhaltesystems schafft engere Kurven, wie sie in den Bergen der Portweinregion vorkommen. Das System lässt einem mehr Zeit, die Hand vom Lenkrad zu nehmen. Außerdem kann sich der Fahrer bis 210 km/h darauf verlassen, dass sein Auto den richtigen Abstand zum Vordermann hält und im Zweifelsfall auch hinter ihm zum Stehen kommt.

BMW 730d Baureihe G11, Fahraufnahme, Heck

BMW 730d.

Das alles kennen wir schon und preisen es als Vorteil für Fahren im deutschen Standardstau. Jetzt wissen wir auch, wie erholsam und im Zweifelsfall lebensrettend es sein kann, wenn auf einer leeren Autobahn mit Geschwindigkeitsbeschränkung die Langeweile ins Cockpit einzieht, gleich gefolgt von der Müdigkeit. Der Einsatz des auch im 7er wieder richtungweisenden Infotainments und der vielen Verbindungen zur Außenwelt übers Internet kann das hinauszögern. Aber der Sekundenschlaf droht, wenigstens aber ein Bußgeld in drastischer Höhe. Da ist es gut, wenn ein weiteres System nicht nur Geschwindigkeitsbegrenzungen erkennt, sondern auch dafür sorgt, dass der BMW sich automatisch daran hält.

BMW 730d Baureihe G11, Cockpit

BMW 730d.

BMW 730d Baureihe G11, Armaturenbrett

BMW 730d.

Die Kameras haben nicht nur die Verkehrszeichen im Blick. Sie bilden den kompletten Umkreis des Autos ab, erleichtern das Einparken, warnen vor Querverkehr und auch vor einem möglichen Heckaufprall. Was immer heute möglich ist, um Sicherheit, Komfort und Verbindung zur Außenwelt zu verbessern, findet sich auch an Bord des Münchener Flaggschiffs.

Und doch ist es ein Auto, sogar eines auf den ersten Blick als großer BMW erkennbares und somit eines, das Eindruck schindet mit den typischen ausgewogenen Proportionen und dem eleganten Schwung des Dachs. Die neuen, flachen Voll-LED-Scheinwerfer – nach Möglichkeit mit dem blendfreien Laser-Fernlicht – und den jetzt nach oben offenen Choronaringen stoßen direkt an die vergrößerte Niere und zeigen so Breite und eine ungewöhnliche Lichtgestaltung. Die Linienführung der Karosse ist klar. „Die Form findet zwischen den Linien statt“, begründete Design-Chef Adrian van Hooydonk die Zurückhaltung.

BMW 730d Baureihe G11, Seitenansicht

BMW 730d.

Zurückhaltung war auch beim Gewicht angesagt. Klaus Fröhlich berichtete, man habe 200 Kilogramm wegkonstruieren müssen, um rund 130 Kilogramm unter dem Gewicht des Alten zu bleiben. Bei höherer Verwindungssteifigkeit nahm das Leergewicht ab. Mit mindestens 1775 Kilogramm setzt der BMW in seiner Klasse einen neuen Maßstab. Zusammen mit dem guten Luftwiderstandsbeiwert von 0,24 sind das perfekte Voraussetzungen für die Fahrdynamiker und für die Freunde besserer Effizienz. Alle Motoren leisten mehr und verbrauchen weniger.

BMW 730d G11, Fond

BMW 730d.

Zwei Benziner stehen zur Wahl: ein Reihen-Sechszylinder im 740i mit 240 kW / 326 PS, 450 Newtonmeter (Nm) Drehmoment und einem Norm-Durchschnittsverbrauch von 6,6 bis 7,0 Litern auf 100 km und der V8 des 750i mit 4,4 Litern Hubraum, 330 kW / 450 PS, 650 Nm und 8,3 bis 8,1 Litern auf 100 km. Der Reihen-Sechs-Zylinder-Dieselmotor im 730d mit drei Litern Hubraum bringt 195 kW / 265 PS, 620 Nm und einem Normverbrauch von 4,9 bis 4,5 Litern zustande. Im kommenden Jahr soll noch dar BMW 740e als Plug-in-Hybrid mit einem Vier-Zylinder-Benziner von 190 kW / 258 PS und einer Systemleistung 240 kW / 326 PS dazukommen, der im Schnitt nur 2,1 Liter und 49 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer angerechnet bekommt.

BMW 730d Baureihe G11, Fond

BMW 730d.

Wenn am 26. Oktober 2015 die ersten BMW 7er Bei den Händler stehen, werden die Spitzenmodelle wie der 750i mit langem Radstand und dem Allradantrieb xDrive für den Grundpreis von 112 700 Euro sicher viele Besucher interessieren. Aber gekauft wird in Deutschland traditionell am häufigsten der 730d für 81 900 oder – mit xDrive – für 85 300 Euro. Deswegen heben wir uns den BMW 750Li xDrive für später in dieser Woche auf und steigen erst einmal in einen BMW 730d.

BMW 750Li Baureihe G11, Innenraum

BMW 750Li.

Wir werden von einem Ambiente empfangen, wie man es von BMW gewohnt ist und von einem Flaggschiff erwartet: alles edle, gut anzuschauende Materialien in guter Verarbeitung in einem Design, das Technik und Anspruch vereint. Der zentrale Bildschirm oberhalb der Mittelkonsole dient nicht nur als Monitor fürs Infotainment, sondern als zusätzliches Steuerelement, das als Touchscreen oder über Gestensteuerung funktioniert. Wer sich für ein Head-up-Display entscheidet, bekommt seine Informationen jetzt in ein größeres Feld der Windschutzscheibe farbig projiziert. In der Armaturentafel im Blickfeld des Fahrers liegen immer noch die bekannten klassischen Rundinstrumente, allerdings als virtuelle Darstellung auf einem Bildschirm.

Nach dem Druck auf den Startknopf meldet sich der Diesel kaum vernehmlich zum Dienst. Und auch sonst macht er nicht viel Aufhebens um sich. Er bleibt gut gedämmt im akustischen Hintergrund und outet sich auch dort nicht als Selbstzünder. 620 Newtonmeter Drehmoment sorgen schon ab 2000 Umdrehungen pro Minute für mächtig Schub. In 6,1 Sekunden ist der Spurt bis 100 km/h erledigt und danach geht’s zügig weiter, laut Unterlagen bis 250 km/h – zu viel für Portugal.

BMW 730d Baureihe G11

BMW 730d.

Dort kann er sich besser als Kurvenkünstler beweisen. Beim 7er hat der Fahrerlebnisschalter eine neue Funktion dazubekommen: Adaptive. Die sorgt dafür, dass sich das Auto an den Fahrstil und mit Hilfe der Daten aus der Navigation an das Straßenprofil anpasst. Das funktioniert gut, wenn es auch den Verdacht aufkommen ließ, am Steuer säße ein Weichei. Denn so richtig hart wurde die Federung auch in engen, schnell gefahrenen Kurven nie. Bei aller Fahrdynamik bleibt ein 7er eben auch ein Luxusgefährt. Beeindruckt hat uns auch die Lenkung. Sie arbeitet sensibel und präzise, passt ein einmal richtig gewählter Lenkradeinschlag nicht mehr zur Kurve, liegt es nicht am BMW, sondern am Straßenbauer.

Jeder Bericht über den neuen 7er wird nun wieder die Frage stellen: Ist der nun besser als die S-Klasse oder der Audi A8? Die Frage hat drei richtige Antworten; denn wer sich in dieser Premiumwelt für eine Variante entscheidet, hat recht. Es soll jeder nach seiner Fasson selig werden, auch mit diesem BMW und dem wichtigem Schritt in Richtung automatisiertes Fahren.

Von Peter Schwerdtmann (ampnet/Sm)

Daten BMW 730d

Länge x Breite x Höhe (in m): 5,10 x 1,90 x 148
Radstand (m): 3,07
Motor: R6-Diesel, 2993 ccm, Twinturbo, Direkteinspritzung
Leistung: 195 kW / 265 PS bei 4000 U/min
Max. Drehmoment: 620 Nm von 2000 – 2500 U/min
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
Beschleunigung 0 auf 100 km/h: 6,1 Sek.
ECE-Durchschnittsverbrauch: 4,5 Liter
CO2-Emissionen: 119 g/km (Euro 6)
Effizienzklasse: A / A+
Leergewicht / Zuladung: min. 1755 kg / max. 695 kg
Kofferraumvolumen: 515 Liter
Max. Anhängelast: 2100 kg
Wendekreis: 12.3 m
Räder / Reifen: 7,5J x 17 LM / 225/60 R 117
Luftwiderstandsbeiwert: 0,24
Preis: 81 900 Euro

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