Kommentar: Zweifelhafte Methoden

Hans-Robert Richarz.

Hans-Robert Richarz.

Von Hans-Robert Richarz

Eigene Berechnungen und Studien als zutreffend zu verkaufen, obwohl ausgewiesene Fachleute deren Seriosität und Wahrheit erheblich in Zweifel ziehen oder sogar widerlegen, gehört seit Jahren zum Repertoire der Deutschen Umwelthilfe (DUH). Doch wenn es um Schlagzeilen geht, scheuen die Berufsquerulanten keinen Winkelzug, um sich beim unbedarften Bürger interessant zu machen. Erst jüngst scheiterte die stets aggressiv auftretende DUH mit einem – ernstgemeinten – Antrag beim Verwaltungsgericht in München, den Oberbürgermeister der Bayernmetropole, Dieter Reiter, mit Bußgeld und Ordnungshaft zu belegen, weil der ihrer Meinung nach zu lasch gegen die Luftverschmutzung kämpfe. Neuerdings erinnert die Umweltorganisation sogar irgendwie an Zeiten, von denen wir glaubten, sie wären am 9. November 1989 endgültig zu Grabe getragen worden: Sie schickt verdeckte Spitzel und informelle Mitarbeiter zu Spionagezwecken los.

Es begann damit, dass die DUH in September und Oktober Späher ausschwärmen und in nordrhein-westfälischen Großstädten nach Verstößen gegen die Umweltzonenregelungen fahnden ließ. Zuvor hatte sie bereits in fünf Städten – anonym, versteht sich – dieselbetriebene Taxis auf die Wirksamkeit ihrer Katalysatoren überprüft und anschließend mit Anzeigen um sich geworfen. „Den verantwortlichen Unternehmen muss neben der Stilllegung dieser Taxis die Konzession entzogen werden“, entfuhr es Jürgen Resch, dem Geschäftsführer der DUH.

Nun sendet er schon wieder seine Denunzianten aus, diesmal zu Kfz-Teilehändlern und freien Autowerkstätten der Bundesrepublik. Sie würden bevorzugt minderwertige Autokatalysatoren als Ersatzteil einbauen, die bereits nach kurzer Zeit ihren Geist aufgäben. „Teilegroßhandel und Werkstätten spielen mit der Gesundheit ihrer Kunden, wenn sie weiterhin in voller Kenntnis der Minderwirksamkeit Krebs erregende Billig-Kats verkaufen. Nur das Gütesiegel ,Blauer Engel’ stellt sicher, dass beispielsweise keine krebserregenden Fasermatten verbaut werden“, so ließ Resch seine Pressestelle verbreiten.

Dass diese Äußerung völlig über das Ziel hinausschießt und ausgemachten Blödsinn darstellt, stört den wortgewaltigen und selbstherrlichen Umweltfunktionär offensichtlich nicht. Niemand außer der DUH bestreitet, dass es Produkte gibt, die keinen „Blauen Engel“ tragen, obwohl sie alle Kriterien dafür erfüllen, wie es zum Beispiel bei Autoreifen der Fall ist, von denen keiner dieses Signet trägt. Der Engel wird nämlich nur auf Antrag vergeben. Wichtig und aussagekräftig bei Katalysatoren ist statt dessen in erster Linie das ECE-103-Zeichen, das dem betreffenden Teil bescheinigt, dass es die entsprechenden Vorschriften erfüllt. ECE-Regelungen bezeichnen einen Katalog von international vereinbarten, einheitlichen technischen Vorschriften für Kraftfahrzeuge sowie für Teile und Ausrüstungsgegenstände von Kraftfahrzeugen. ECE leitet sich ab von Economic Commission for Europe, dem Namen der Wirtschaftskommission für Europa bei den Vereinten Nationen.

Der Zentralverband des deutschen Kraftfahrzeuggewerbes (ZDK) in Bonn will sich glücklicherweise mit den zweifelhaften Methoden des DUH nicht weiter abfinden. Ob mit oder ohne Blausiegel: „Wenn ein Kfz-Betrieb einen Markenkatalysator aus dem qualifizierten Teilefachhandel einbaut, der den Vorschriften der gültigen ECE-Regelung 103 entspricht, handelt er rechtlich einwandfrei“, stellte ein Sprecher klar. Es sei mehr als fragwürdig, wenn die DUH nun durch Werkstatttests Kfz-Betriebe an den Pranger stellen wolle, die sich den Vorschriften gemäß verhielten. Die Möglichkeit juristischer Schritte gegen die DUH prüft der ZDK zur Zeit. (ampnet/hrr)

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