Europäische Mobilitätswoche floppt in Deutschland

Ausgerechnet die erste Woche der Leitmesse der Mobilität in Frankfurt erklärte die EU zur „Europäischen Mobilitätswoche 2015“. Damit wollte sie auf „Maßnahmen in den Bereichen Verkehr, Klimawandel, Energieeffizienz und nachhaltige Stadtentwicklung“ hinweisen wie es in einer Erklärung der Brüsseler Bürokraten hieß. Gesucht seien, so hieß es, „innovative Lösungen für die heutigen Herausforderungen der urbanen Mobilität, die zum Erreichen der Klima- und Dekarbonisierungsziele der EU beitragen können“. Das Auto spielte bei der Aktion keine Rolle. Im Gegenteil. Während sich in Frankfurt die Besucher an Chrom und Karossen die Nase platt drückten, organisierte die EU-Kommission vom 16. bis zum 22. September Veranstaltungen in ganz Europa, mit denen die Bürger dazu angeregt werden sollten, öfter zu Fuß zu gehen, Rad zu fahren oder öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen.

Violeta Bulc eröffnet die Europäische Mobilitätswoche

EU-Verkehrskommissarin Violeta Bulc eröffnet die Europäische Mobilitätswoche.

Ihren Anfang nahm die Aktion 1998 mit der französischen Initiative „En ville sans ma voiture!“ („In die Stadt ohne mein Auto“), die Städte dazu anregen sollte, einen autofreien Tag pro Jahr zu veranstalten und die Nutzung nachhaltiger Verkehrsträger zu fördern. Diese Initiative gab den Anstoß zum Start der Europäischen Mobilitätswoche im Jahr 2002, die seither regelmäßig stattfindet. Inzwischen wurden mit mehr als 1500 teilnehmenden Städten über 8000 Maßnahmen umgesetzt, deren Schwerpunkte in erster Linie auf der Infrastruktur für Radfahrer und Fußgänger, besserer Zugänglichkeit der Verkehrsmittel und Sensibilisierung für nachhaltiges Verkehrsverhalten liegen.

Auch in diesem Jahr gab es in einigen Städten mit dem 22. September einen autofreien Tag, an dem sie teilweise für den motorisierten Verkehr gesperrt und nur für Fußgänger, Radfahrer, öffentliche Verkehrsmittel und Elektrofahrzeuge zugänglich waren. So wurden beispielsweise die Altstadt und ein Großteil des Stadtzentrums von Stockholm in eine Fußgängerzone verwandelt. In Wien war die Ringstraße um den ersten Bezirk der inneren Stadt stundenlang gesperrt.

Palma de Mallorca beteiligte sich individuell an der Aktion: Am „autofreien Tag“ in der Hauptstadt der Baleareninsel durfte auf 740 Stellplätzen im Zentrum nicht geparkt werden, das Parkverbot galt aber nicht für die Tiefgaragen der Stadt. Anwohner mit Parkausweis durften ihre Fahrzeuge wie gewohnt in den Straßen abstellen. Andere öffentliche Parkplätze am Stadtrand waren ausnahmsweise kostenlos. Autofahrer, die ihre Fahrzeuge hier abstellten, konnten gratis mit dem Bus ins Zentrum von Palma fahren. Auch Pendler profitierten, da sie keine Tickets für die Insel-Züge und die Metro bezahlen mussten. Ähnlich beteiligte sich Tallinn, die Hauptstadt Estlands, an der Veranstaltung. Die Bürger durften gegen Vorlage ihres Führerscheins öffentliche Verkehrsmittel kostenlos nutzen.

Eröffnung der Europäischen Mobilitätswoche

Eröffnung der Europäischen Mobilitätswoche.

Die für Verkehr zuständige EU-Kommissarin Violeta Bulc erklärte mit Blick auf die internationale Klimakonferenz in Paris im Dezember: „Wir wollen daran erinnern, dass jeder einzelne von uns etwas bewirken kann. Wenn wir uns entschließen, mehr zu laufen und Rad zu fahren oder bevorzugt öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen oder diese Verkehrsträger miteinander kombinieren, kann Europa daraus erheblichen Nutzen ziehen.“ Und Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker betonte in seiner Rede zur Lage der Union, dass sich der Kampf gegen den Klimawandel in den Städten entscheiden würde, wo 75 Prozent der Europäer leben und 80 Prozent der Energie Europas verbraucht werden. Der Schwerpunkt der Mobilitätswoche würde auf der Multimodalität liegen – Bürgerinnen und Bürger sollen ihre Verkehrsmittel nach Lust und Laune selbst wählen können.

In Deutschland allerdings hielt sich die Begeisterung für die Mobilitätswoche in überschaubaren Grenzen. Während sich zum Beispiel in Österreich 456, in Spanien 355 und in Ungarn 182 Städte an der Aktion beteiligten, rafften sich hier zu Lande nur zehn Kommunen dazu auf. Dazu zählten fast ausschließlich Orte der Größenordnung von Chemnitz, Erfurt oder Düren. Als einzige Großstadt machte die IAA-Metropole Frankfurt am Main mit – beschränkte sich dabei aber auf Stadtführungen und Vorträge zur sinnvollen Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Von Hans-Robert Richarz (ampnet/hrr)

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